Donnerstag, 8. Oktober 2015

Albanien 0-2 Serbien

Elbasan Arena, 12.230

Grundsätzlich meide ich Auswärtspartien des Nationalteams, diesmal bot sich allerdings zusammen mit dem Schlager Albanien-Serbien am Tag vor dem Gastspiel Österreichs in Montenegro die Gelegenheit auf zwei neue Länderpunkte. Zu viert flog man Podgorica an, mietete ein Auto und fuhr die überaus sehenswerte Küste entlang in die antike Altstadt von Kotor, wo wir auch die erste Nacht verbringen sollten. Sensationelle Stadt mit sehr interessanter Geschichte, welche man auf jeden Fall gesehen haben sollte. Der Ausblick von der im 6. Jahrhundert durch die Römer errichteten Festung entschädigt für den mehr als beschwerlichen Aufstieg, der über eine Stunde in Anspruch nimmt.


Am Donnerstag machte man sich vormittags auf den Weg nach Albanien, genauer gesagt nach Elbasan, wo sämtliche Heimspiele der EM Qualifikation ausgetragen wurden, da sich das Nationalstadion in Tirana im Umbau befindet. Fünf Stunden für rund 240 Kilometer. Der Zustand der Straßen in Albanien dementsprechend verheerend, Schlaglöcher so groß, dass man eigentlich keinesfalls mehr von einem Loch sprechen kann. Esel, Kühe, Hunde und Katzen sind auf den Straßen unterwegs, herrlich. Die Fahrt verging dafür wie im Flug, langweilig wurde einem in keiner Sekunde. Die Vorfreunde auf das Spiel war im ganzen Land zu spüren, auf so gut wie jedem Auto, welches sich auf dem Weg nach Elbasan befand, waren eine oder mehrere albanische Flaggen angebracht.
Nach Ankunft im Hotel wartete das größte Problem der Reise: Die Kartenfrage. Die Partie war natürlich seit Wochen restlos ausverkauft, für den Schwarzmarkt wurden Preise von über 500 Euro ausgerufen. Albanien reichte ein Punkt zur direkten Qualifikation, da man für das abgebrochene Hinspiel in Belgrad dann doch drei Punkte zugesprochen bekam, dementsprechend groß war die Euphorie. Die nur 13.500 auferlegten Tickets waren zudem allesamt personalisiert und wurden wohl an ausgewählte Fans verteilt, um Ausschreitungen zu verhindern.
Am Stadion angekommen, es schüttete mittlerweile in Strömen, verschaffte man sich einen ersten Überblick. Kein Schwarzmarkt in Sicht, beim VIP-Eingang wurde man eher belächelt, im Endeffekt umsonst mit etlichen albanischen Lek eingedeckt.
Die Polizei ließ nur Fans mit gültiger Karte auf den Stadionvorplatz, sämtliche Zuschauer mussten durch diesen Eingang, es wurde also ziemlich eng. Dies kam uns allerdings durchaus zugute, da man bereits vorab beobachten konnte welche Polizisten ihre Aufgaben mehr und welche weniger ernst nahmen. Als ein kleiner Pulk in Richtung eines Polizisten drängte nutzte man die Chance und schlängelte sich zu dritt rechts vorbei. Erstes Problem gelöst. Nun gings zur nächsten Polizeikontrolle, die Leibesvisitation. Hier wurde von niemandem eine Karte verlangt. Ah doch, von mir natürlich. Zu meiner Verwunderung sprach er Englisch und ich erklärte ihm, dass ich von der Presse bin, ich allerdings nicht wusste wo meine Tickets abzuholen sind. Meine spontane Story interessierte ihn eher weniger, stattdessen rief er einen zweiten Kiwara zu sich um mich rausschmeißen zu lassen. Auch ihm erklärte ich meine Situation, auch er sprach Englisch. Er wirkte zwar anfangs verständnisvoller als Kollege Nummer eins, aber auch er wollte mich nach zweiminütiger Diskussion vom Gelände entfernen lassen. Dann gings aber irgendwie sehr schnell. Ein Ordner rief den mir zugewiesenen Kiwara zu sich, da wohl ein Fan etwas Verbotenes reinschmuggeln wollte, woraufhin ich die unübersichtliche Situation nutzen und im Getümmel verschwinden konnte. Weiter ging die Mission.
Auch am Stadionvorplatz verschaffte man sich einen Überblick, Tickets sowie dazugehörige Ausweise wurden bei den Eingängen zu den verschiedenen Sektoren kontrolliert, abermalige Leibesvisitation. Gut, da kommen wir nicht mehr durch. Einzige Chance somit der Pressebereich, vor welchem Polizisten kontrollierten ob unsere Namen auf der Liste aufschienen. Taten sie natürlich nicht. Wir hätten eh ein Mail geschickt. War ihm egal, ohne Tickets keine Chance. Aus dem Nichts kam einer seiner Kollege dazu und ließ uns, warum auch immer, durch. Dritte Kontrolle passiert. Dann ging es genau zehn Meter weiter zum tatsächlichen Eingang des Pressebereichs, wo abermals kontrolliert wurde ob wir auf irgendeiner Liste aufscheinen. Immer noch nicht, komisch. Auf die Frage ob wir einen Presseausweis hätten zeigte ich meinen Studentenausweis. Passt. Weiter.
Die fünfte und letzte Kontrolle wartete auf uns. Zwei sympathische Damen, welche die Zugangskarten für den Pressebereich austeilten. Auch sie hatten eine Liste, natürlich war auch auf dieser keiner unserer Namen zu finden. Sie können uns im Moment nicht helfen, wir sollen warten und einstweilen das Buffet genießen. Gesagt, getan, auch wenn es kein Bier gab. Nach 20 Minuten suchten wir, zusammen mit einem Kölner, welcher dasselbe Problem hatte, abermals das Gespräch mit den beiden Damen. Ich denke mit der Zeit merkte man uns doch an, dass wir durchaus zurecht auf keiner Liste aufschienen, da schlicht und ergreifend kein Mail aus Österreich kam. Sie versuchten uns aber dennoch irgendwie ins Stadioninnere zu bringen und händigten uns schlussendlich Pressetickets jener Leute aus, welche trotz Anmeldung nicht erschienen sind. Danke nochmal an dieser Stelle, auch wenn die Chance nicht sehr hoch ist, dass die Danksagung tatsächlich ankommt. Danke auch an jenen Fan, welcher den Polizisten beim Eingang erfolgreich ablenkte!


Das Spiel ansich ist dann eigentlich vergleichsweise schnell erzählt. Albanien reichte bei gleichzeitiger Niederlage der Dänen in Portugal ein Unentschieden für die fixe Qualifikation. Die Stimmung im Rund war dementsprechend, zumindest für Nationalteamverhältnisse, mehr als gut. Zu Spielbeginn zeigte die Kurve eine simple Choreographie.
Auf dem Spielfeld hätte man sich ob der Vorkommnisse beim Hinspiel ein paar mehr Gehässigkeiten erwartet, den Serben schien die Partie aber zumindest in der ersten Halbzeit eher egal zu sein, nach vorne kam wenig. Torlos ging es in die Pause, aus welcher die Albaner besser zurückkamen und zwei, drei Riesenchancen auf die Führung vergaben. Als Mitte der zweiten Halbzeit der Treffer der Portugiesen die Runde machte, zogen sich die Hausherren zurück und versuchten den Punkt über die Zeit zu bringen. Als ihnen bewusst wurde, dass es nun in ihrer Hand liegt ob Albanien nach Frankreich fährt, erwachten auch die Serben endlich aus ihrem Halbschlaf und drückten auf den Siegestreffer. In den Schlussminuten war die Anspannung dann auch auf den Rängen deutlich zu spüren, die Fangesänge wurden immer leiser, die volle Konzentration galt dem Spielfeld. Und im Endeffekt kam es wie es kommen musste, die Serben gingen zu Anbruch der Nachspielzeit unverdient in Führung, Totenstille im Stadion. Die Hausherren warfen nochmal alles nach vorne, kassierten aber kurz vor Schluss im Konter gar das 0-2. Schade, die Feierlichkeiten hätte man logischerweise gerne miterlebt. Somit musste am letzten Spieltag ein Sieg in Armenien her, welcher schlussendlich auch gelang. Albanien fährt zum ersten Mal zu einer Endrunde, Gratulation an dieser Stelle.
Der weitere Abend verlief ereignislos, tags darauf ging es dann, nachdem man die verbliebenen Lek wieder in richtiges Geld wechselte, zurück nach Montenegro.